Korea startet "One Team"-Modell als Antwort auf CBAM
Das südkoreanische Ministerium für Industrie, Handel und Energie (MOTIE) hat am 19. Mai 2026 das "2026 Industrial Supply Chain Carbon Partnership Project" gestartet – ein ambitionierter Versuch, Scope‑3-Emissionen über die wichtigsten Exportsektoren Koreas zu adressieren.
Die Regierung investiert 9,8 Mrd. Won (~7 Mio. USD) und übernimmt 50–60 % der Kosten für CO₂‑Reduktionstechnologien bei KMU‑Lieferanten.
Acht Konsortien und 31 KMU-Partner, darunter Hyundai/Kia, Samsung, LG, POSCO usw., wollen durch vier Unterstützungsmodelle jährlich etwa 20 000 t CO₂e einsparen:
1. Chain‑Support‑Modell (Hyundai/Kia) – Geld zu Tier 1 → weiter zu Tier 2
2. Synergy‑Connection‑Modell (Samsung, LG, SK Hynix, HL Mando) – gemeinsame Lieferanten teilen → Effekt multipliziert sich sektorenübergreifend
3. Performance‑Utilization‑Expansion (HD Korea Shipbuilding) – Überschüsse der Reduktion in externe Kohlenstoffprojekte umwandeln
4. Downstream‑Support‑Modell (POSCO) – Stahl unterstützt seine Kunden (Automobil, Bauwesen)
Konkrete KMU‑Technologien: Hoch effiziente Luftkompressoren, Photovoltaik, energieeffiziente Wärmebehandlung, Optimierung der Halbleiterproduktion. Plus Product Carbon Footprint (PCF)-Beratung = KMU können Compliance‑Daten an ihre Anchor‑Firmen liefern.
Das Ziel dieser Aktivität ist ausdrücklich exportorientiert – MOTIE nennt konkrete Regelungen, auf die vorbereitet wird:
- EU CBAM (Stahl, Aluminium, Zement) – POSCO ist Top‑5‑globaler Stahlexporteur in die EU
- EU Battery Regulation (Samsung SDI, LG Energy Solution, SK On = Top‑3‑globale Lieferanten von EV‑Batterien für die EU‑Automobilindustrie)
- Strengere Sorgfaltspflichten in der Lieferkette (CSDDD)
- IMO‑Regulierung für den Schiffbau (HD Korea = #1‑globaler Schiffbauer nach Wert)
Was kann man daraus mitnehmen?
1. Korea tut das Gegenteil von dem, was Trump macht. Während die US‑SEC die Klimaberichterstattung abschafft, finanziert Korea direkt die Scope‑3‑Reduktion bei KMU. Sie bereitet bewusst die Exportsektoren auf den europäischen Regulierungsrahmen vor, weil die EU für Korea ein Schlüsselmarkt ist (Auto, Batterien, Stahl, Elektronik).
2. CBAM als „globale de‑facto‑CO₂‑Steuer“. Die koreanische Reaktion ist ein weiterer Beweis dafür, dass der EU‑CBAM als Regulierungs‑Magnet wirkt – er zwingt Asien zur Einführung von CO₂‑Bilanzierung, selbst ohne eigenen CO₂‑Preis.
3. Die Lücke in den Fähigkeiten der Lieferanten ist ein universelles Problem. Koreaner lösen dasselbe Problem wie VW, Volvo, BMW, ASML, BASF: Tier‑1‑Lieferanten verfügen über Compliance, Tier‑2/3‑KMU nicht. Ohne staatliche Subventionen für die Compliance von KMU wird das Scope‑3‑Reporting nicht vorankommen. Australien schlägt diese Woche „Grenzen für Lieferanten‑Informationsanfragen“ vor – Korea geht das Gegenteil und finanziert die Lieferanten‑Bereitschaft.
4. Inspiration für Tschechien – die tschechische Industrie hat ein ähnliches Problem: Unternehmen müssen Scope‑3 für ihre EU‑Kunden berichten, aber KMU‑Lieferanten haben dafür nicht die Kapazität. Ein ähnliches Programm, etwa über den Nationalen Wiederaufbauplan, könnte sehr kosteneffizient sein.
5. POSCO "downstream model" ist ein Vorbild für europäische Stahlhersteller. ArcelorMittal, Salzgitter, Voestalpine könnten (und sollten) dasselbe tun, d. h. automotive/construction Kunden beim Übergang zu grünem Stahl unterstützen.
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