SBTi V2.0: Was das für Hersteller und ihre Lieferanten bedeutet
SBTi (Science Based Targets initiative) ist eine internationale Initiative, die Unternehmen ihre Klimaziele verifiziert. Es geht darum, dass das Versprechen \"wir werden CO₂‑neutral sein\" kein Marketing‑Geste ist, sondern eine Zahl, die aus dem abgeleitet wird, was laut Klimatologie tatsächlich nötig ist, um die Erwärmung unter 1,5 °C zu halten.
Das Unternehmen legt sein Ziel vor, SBTi bewertet es und validiert es entweder oder nicht. Heute haben Tausende von Unternehmen weltweit diesen Prozess durchlaufen und die SBTi‑Validierung ist de‑facto zum Standard geworden, den große Abnehmer und Investoren immer häufiger von Lieferanten verlangen.
Das zentrale Dokument für Unternehmensziele ist der Corporate Net‑Zero Standard – und genau dieser hat jetzt die Version 2.0 erhalten.
Die neue Version hat 100 Seiten und ist deutlich komplexer als ihr Vorgänger. Diese Komplexität ist jedoch beabsichtigt – unter V1.0 konnten viele Unternehmen ihre Ziele trotz ernsthafter Bemühungen nicht erreichen. V2.0 bietet mehr Wege zum gleichen Ergebnis.
Fünf Dinge, die beachtet werden sollten:
1. Ende des \"one‑size‑fits‑all\". Scope‑3‑Ziele sind für kleinere Unternehmen aus einkommensschwachen Ländern nun optional. Andere können zwischen einem absoluten Reduktionsziel, einem Ziel zur Angleichung von Lieferanten/Kunden oder Zielen für spezifische emissionsintensive Aktivitäten wählen.
2. Langfristige Ziele enden, fünfjährige Zyklen kommen. Net‑Zero wandelt sich von einem fernen Versprechen zu einer kontinuierlichen Leistungsverpflichtung.
3. Scope 1 und 2 müssen getrennt werden. Bei Scope 1 geht es in den meisten Branchen um den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen; bei Scope 2 basieren die Ziele neu auf einer physischen, standortbezogenen Inventur.
4. Lieferantendaten müssen konkret sein. Einkaufsteams werden mindestens die Emissionsintensität auf Lieferantenebene benötigen, idealerweise die vollständige Produkt‑CO₂‑Bilanz (PCF).
5. Der Business Case muss jetzt erstellt werden. Der erste Zyklus 2030–2035 erfordert einen glaubwürdigen Übergangsplan – und dieser wird ohne Unterstützung im gesamten Unternehmen nicht funktionieren. Das bedeutet, Kosten und Nutzen quantifizieren zu können.
Neu ist auch die kollektive Aktion: Dort, wo eine individuelle Emissionsreduktion nicht umsetzbar ist, können gemeinsame Aktivitäten im Sektor oder in der Region anerkannt werden (z. B. Investitionen in lokale erneuerbare Energien zusammen mit anderen Herstellern).
Zwei Dinge, die sich daraus in der Praxis ergeben: Assurance wird von Emissionsinventuren auf die Verifizierung von Fortschrittsbehauptungen ausgeweitet – und die Rolle des Einkaufs in der Net‑Zero‑Strategie wird deutlich zunehmen.
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Quelle: ESG Today, Gastbeitrag Bridget Wise (Secaro), 9. 7. 2026