JBS streicht das Net‑Zero‑Ziel für die gesamte Lieferkette. Damit gehen 97 % seines CO₂‑Fußabdrucks verloren.

| Redaktion

Der weltweit größte Fleischproduzent, das brasilianische JBS, hat das Net‑Zero‑Versprechen über die gesamte Wertschöpfungskette bis 2040 zurückgezogen. Die neuen Ziele schließen Scope 3 nicht ein – und genau das ist der Kern des Problems.

- Scope 3 = über 184 Mio. Tonnen CO₂e pro Jahr (der überwiegende Teil stammt aus gehaltenem Vieh und Futtermitteln)

- Scope 1 und 2, auf die sich das Unternehmen nun konzentriert, machen kaum 3 % des Fußabdrucks aus

Was bleibt:

- Reduzierung der Intensität von Scope 1+2 um 30 % bis 2030 und 70 % bis 2050 (Basisjahr 2019)

- 60 % erneuerbare Elektrizität bis 2030

Die Ziele basieren auf Emissionsintensität, nicht auf absoluten Emissionen. Wenn der Umsatz steigt, können die Gesamtemissionen zunehmen – und das Ziel gilt trotzdem als „erreicht“.

Der globale CSO Jason Weller verteidigte gegenüber der FT die Logik, dass das Unternehmen Ziele dort setzt, wo es operative Kontrolle hat, und messbare sowie verantwortliche Ziele statt großer Ambitionen anstrebt. Er erwähnte zudem die Wette auf höhere landwirtschaftliche Produktivität als indirekten Weg zur Emissionsreduktion. Gleichzeitig behauptet er, dass JBS das Ziel erreicht habe, die Entwaldung bei direkten und indirekten Lieferanten im Amazonas zu beseitigen.

Ein paar weitere interessante Zusammenhänge:

- JBS gibt auch das Ziel auf, 100 Mio. USD in die Forschung zur Reduzierung von Scope 3 zu investieren.

- Aufgrund fehlenden Scope 3 führt SBTi es als „commitment removed“.

- Die Seite mit dem Ziel 2040 ist von der Unternehmenswebsite verschwunden.

- Im Jahr 2024 sah sie sich einer Klage wegen Greenwashing gegenüber, die 2025 für 1,1 Mio. USD beigelegt wurde.

Sie ist nicht allein — die Net‑Zero‑Ziele haben im letzten Jahr auch PepsiCo, Coca‑Cola und Unilever gemildert.

ESG NetZero Scope3 Dekarbonisierung Nachhaltigkeit

Verwandte Artikel