EU ändert den Ton gegenüber der Rinderhaltung. Gute Nachricht für tschechische Züchter und Verbraucher?
Die Europäische Union hat eine neue Strategie für die Tierproduktion veröffentlicht, die von vielen Beobachtern als grundlegender Wendepunkt gelesen wird. Nach einem Jahrzehnt, in dem die Tierhaltung vorwiegend als Emissionsquelle angesehen wurde, bezeichnet das Dokument sie nun als „kritische Infrastruktur“ – ein strategisches Asset von wirtschaftlicher, sozialer und ökologischer Bedeutung.
Fünf Prioritäten der Strategie:
- die Abhängigkeit von importierten Futtermitteln reduzieren
- die Produktion in Regionen wiederherstellen, die vom Landverlust bedroht sind
- die Tierhaltung als Pfeiler ländlicher Gebiete unterstützen
- seine Rolle in der regionalen Wirtschaft erhalten
- die Ernährungssouveränität stärken (zusammen mit der Proteinstrategie)
Die Bestände an Nutztieren in der EU sinken bereits seit 20 Jahren. Die vorherige Regulierungswelle ging in die entgegengesetzte Richtung – ein niederländisches Gericht ordnete eine Reduzierung der Bestände um 30 % einschließlich des Aufkaufs von Höfen an, Irland plante eine Reduktion um 200 000 Tiere und Dänemark führte als erstes Land eine Methansteuer ein. Das löste umfangreiche Proteste von Landwirten in den europäischen Metropolen aus.
Die Reaktionen sind bislang vorsichtig, doch die Initiative geht in die richtige Richtung. Britische Fleischverarbeiter haben beispielsweise ihre Regierung zu einem ähnlichen Dokument aufgefordert, und der australische Molkereisektor bezeichnete es als „eine Lektion für den Rest der Welt\".
Während die EU neu über Selbstversorgung spricht, ist die tschechische Realität, zum Beispiel beim Schweinefleisch, warnend. Die Selbstversorgung bei der Schweineproduktion sank von 98 % (1989) auf nur 47 % (2024) – fast die Hälfte des Verbrauchs wird importiert, hauptsächlich aus Spanien, Deutschland und Polen. Nach dem EU‑Beitritt im Jahr 2004 fiel der Schweinebestand von ~3 400 Tsd. auf ~1 300 Tsd. Stücke, und die Schweinefleischimporte stiegen von 88 Tsd. t (2004) auf 207 Tsd. t (2024).
Direktzahlungen (SAPS) begünstigten langfristig die Pflanzenproduktion, während günstige Importe heimische Züchter benachteiligten.
Die EU beschreibt jetzt im Grunde das Problem, das die Tschechische Republik bereits seit 20 Jahren erlebt. Die Frage ist, ob hinter der Strategie auch konkrete Maßnahmen stehen – oder ob es nur bei Worten bleibt.
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