EU genehmigt weichere ETS-Benchmarks und 30 Mrd. € für die Dekarbonisierung

| Jiří Staník
EU schvaluje měkčí ETS benchmarky a 30 mld. € pro dekarbonizaci

Die Europäische Kommission hat einen Entwurf für aktualisierte Benchmarkwerte für das ETS für den Zeitraum 2026–2030 veröffentlicht. Es handelt sich um Werte, nach denen entschieden wird, wie viele kostenlose Emissionszertifikate die Industrieunternehmen erhalten.

Der Entwurf erscheint entgegenkommender, als die Industrie erwartet hatte. Hauptzahlen:

- durchschnittliche Abdeckung mit kostenlosen Zertifikaten: ~75 % der Industrieemissionen

- die Kommission nutzt „legal flexibilities available“ → einige Benchmarks werden höher sein

- die Abdeckung indirekter Emissionen aus Strom bleibt bei 14 Produktbenchmarks erhalten

- finanzielle Auswirkung der Maßnahme auf ETS‑Einnahmen: ~4 Mrd. € im Zeitraum 2026–2030 (= so viel weniger Geld für Klimaprojekte aus den Auktionen)

Ohne diese Anpassung wäre die Industrie deutlich schärferen Benchmarks ausgesetzt – die alten Werte wurden aus Daten von 2007–2008 berechnet und moderne effiziente Anlagen hätten nur wenig erhalten. Die neuen Benchmarks spiegeln den technologischen Fortschritt wider, jedoch mit einer „weicheren“ Interpretation.

Zeitplan:

Am 30. April 2026 wurde eine vierwöchige öffentliche Konsultation gestartet, während Mai–Juni wird die Bewertung im Climate Change Committee (Mitgliedstaaten) erfolgen. Ende Juni 2026 sollte die Kommission die endgültigen Benchmark‑Werte beschließen und beginnen, kostenlose Zulassungen zuzuweisen. Bis Ende Juli wird eine umfassende Überprüfung des gesamten ETS‑Systems erwartet.

„ETS Investment Booster\" – 30 Mrd. € für die Dekarbonisierung:

Die Kommission bereitet gleichzeitig einen 30 Mrd. €‑Fonds vor, finanziert durch 400 Millionen ETS‑Zulassungen, der direkt in Dekarbonisierungsprojekte der Industrie fließt. Das ist ein starkes Signal: Das Geld, das die Industrie für ihre Emissionen zahlt, wird ihr in Form von Investitionsunterstützung zurückerstattet.

Die Kommission wird zudem sektorspezifische Fallback‑Benchmarks vorschlagen – Regeln für Fälle, in denen Standard‑Benchmark‑Werte nicht anwendbar sind. Das ist wichtig für Sektoren mit sehr heterogener Produktion (Chemie, Glas, Papier).

Was man daraus mitnehmen kann?

1. Die EU macht einen Kompromiss. Zwischen Ambition (strengere Benchmarks = höhere ETS‑Kosten = stärkeres Signal für die Dekarbonisierung) und Wettbewerbsfähigkeit (mildere Benchmarks = geringerer Druck, aber Schutz vor Carbon Leakage) hat die Kommission einen milderen Ansatz gewählt. Das knüpft an den Trend der vergangenen Wochen an – Kompensationen für Österreich und Spanien, Genehmigung des deutschen CCfD in Höhe von 5 Mrd. €.

2. Sozialer Vertrag der Klimapolitik. Das Muster ist jetzt klar: Die Industrie zahlt ETS, erhält aber einen Teil des Geldes zurück über den Innovation Fund, den Modernization Fund, das CCfD und neu den ETS Investment Booster. Für Unternehmen bedeutet das, dass Dekarbonisierungs‑CAPEX einen realen Weg zur öffentlichen Mitfinanzierung hat.

3. Für die Tschechische Republik: Die tschechische Industrie (Stahlwerke, Zementwerke, Chemie, Glas) kann vom 30‑Mrd.‑€‑ETS‑Investment‑Booster profitieren – jedoch nur, wenn sie fertige Projekte hat. Der Modernisierungsfonds sollte heute auf dem Tisch jedes energieintensiven Unternehmens in der Tschechischen Republik liegen.

4. Für Investoren: Mildere ETS‑Benchmarks bedeuten geringeren kurzfristigen Preisdruck auf ETS‑Sektoren, gleichzeitig aber eine stärkere langfristige Sicherheit, dass es keine „sudden‑death“-Regulierung gibt. Für Stock‑Picker im Bereich Stahl/Zement/Chemie kann das bedeuten, dass das Risikoprämie auf europäische kohlenstoffintensive Aktien heute überbewertet ist.

5. Das Risiko von Greenwashing hingegen steigt. Wenn Unternehmen 75 % der Zulassungen kostenlos erhalten und gleichzeitig Produkte mit dem „Low‑Carbon“-Label verkaufen, stellt sich die Frage, wie viel von diesem Signal echte Dekarbonisierung versus regulierte CO₂‑Bilanzierung ist. CSRD‑ und SBTi‑Audits werden entscheidend sein.

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