EU, Brasilien und China haben die Koalition Compliance Carbon Markets gegründet
Bei der konstituierenden Sitzung in Florenz am 7. Mai 2026 haben EU, Brasilien und China offiziell die Open Coalition on Compliance Carbon Markets gestartet – potenziell die wichtigste multilaterale Klimainitiative des Jahres. Sie knüpft an die im November 2025 in Belém unterzeichnete Erklärung auf der COP30 an.
Warum ist das wichtig?
- weltweit gibt es heute etwa ~80 Kohlenstoffpreissysteme in 50 Ländern – ETS und CO₂-Steuern
- die Koalition vereint 3 der größten Emissionsblöcke rund um die gemeinsame Carbon-Pricing-Agenda
- das Ziel ist, die Effizienz, Transparenz und Integrität der Kohlenstoffmärkte zu steigern
Drei technische Prioritäten:
- MRV-Systeme (Monitoring, Reporting, Verifizierung)
- Carbon-Accounting-Methodologie – Konsistenz über Jurisdiktionen hinweg
- High-Integrity-Offsets – Antwort auf wiederholte Skandale mit der Glaubwürdigkeit von Krediten
Brasilien übernimmt die ersten 2 Jahre den Vorsitz, EU und China als Co‑Chairs.
Weitere Mitglieder sind Deutschland und Neuseeland, subnationale Akteure (Kalifornien, Québec) können Beobachter sein. Die Koalition ist für alle Länder mit nationalen Compliance‑Märkten offen.
Ein entscheidender Meilenstein wird die Carbon Market Conference in Wuhan (China) am 15. September 2026 sein, die ein Test dafür sein wird, ob die Koalition von Erklärungen zu technischen Ergebnissen übergehen kann.
EU‑Prioritäten für die Koalition:
- Race to the top für die Qualität von Carbon Credits (knüpft an Artikel 6.4 des Pariser Abkommens – Crediting Mechanism an)
- Harmonisierung von Accounting‑Methoden (wichtig für CBAM)
- Verstärkung des Drucks auf nationale Carbon‑Pricing‑Systeme
Was lässt sich daraus mitnehmen?
1. Multilateralismus lebt – in einer Zeit, in der die USA unter Trump die Climate‑Disclosure‑Regeln abschaffen (vgl. den jüngsten SEC‑Schritt), ist diese Koalition ein starkes Signal, dass der Rest der Welt weitermacht.
2. EU‑China Klimadiplomatie – die Zusammenarbeit zwischen EU und China auf den Carbon Markets ist überraschend ein stabiler Pfeiler in ansonsten angespannten Handelsbeziehungen. Das technische Niveau (MRV, Accounting) ist gegenüber politischen Schwankungen robuster als z. B. CBAM.
3. Für das CBAM‑Signal – die Harmonisierung von Accounting‑Methodologien über Jurisdiktionen hinweg ist entscheidend für das reale Funktionieren des CBAM. Wenn das chinesische ETS, der brasilianische Markt und das EU‑ETS vergleichbare Metriken verwenden, kann das CBAM Zahlungen der CO₂‑Steuer im Ursprungsland besser anerkennen – die administrative Belastung für Exportierende wird reduziert.
4. Relevanz für die Tschechische Republik – der zukünftige chinesische und brasilianische Compliance‑Markt könnte die Wettbewerbsfähigkeit tschechischer Exporteure (Stahlwerke, Chemie, Automobilindustrie) beeinflussen. Es lohnt sich, die Ergebnisse aus Wuhan im September zu verfolgen.