Wie bereiten sich skandinavische Unternehmen auf die Auswirkungen von CBAM vor?

| Jiří Staník

Der Mechanismus für den CO₂‑Ausgleich an den Grenzen (CBAM) und die Reform des EU‑ETS traten am 1. Januar 2026 in Kraft und spiegeln erstmals in der Geschichte die CO₂‑Kosten direkt in den Preisen europäischer Materialien wider. Die Nordea Bank hat die Auswirkungen auf skandinavische Unternehmen analysiert und die Ergebnisse sind interessant.

Nordea schätzt den Preisimpact auf den Import von Stahl, Aluminium, Zement und Düngemitteln auf bis zu ~20 % bei einem Importvolumen von 80 Mrd. € bis 2030 – vor allem im Stahlssegment. Materialhersteller in der EU sollten die Hauptprofiteure sein dank höherer Kapazitätsauslastung und des Preiseffekts.

Ein wesentlicher Schwachpunkt der aktuellen Regelung ist laut Nordea Bank die Tatsache, dass CBAM bislang den Import von Fertigprodukten, die aus diesen Materialien hergestellt werden, nicht abdeckt, was das Risiko von Umgehungen und Offshoring schafft.

Die Europäische Kommission schlägt eine Erweiterung auf 180 nachgelagerte Produkte (Autoteile, Haushaltsgeräte, Metallwerkzeuge) vor – potenziell bereits ab 2028. Nordea schätzt die Auswirkung auf etwa 3–5 % des Importwertes.

Eine Umfrage unter 40 börsennotierten nordischen Unternehmen (Kapital‑ und Konsumgüter, Bauwesen, Materialien) zeigte, dass:

- Materialunternehmen sehen CBAM als Chance

- Bauunternehmen bewerten die Auswirkung als neutral – die meisten Materialien werden in den skandinavischen Ländern lokal bezogen und

- Hersteller von Kapital‑ und Konsumgütern sehen ein leicht negatives Risiko durch höhere Inputkosten, insbesondere wenn CBAM auf nachgelagerte Produkte ausgeweitet wird.

Die meisten Unternehmen arbeiten bereits an mildernden Maßnahmen — vor allem die Verlagerung von Ressourcen zu EU-Lieferanten statt zu außereuropäischen.

Das Basisszenario der Nordea Bank ist, dass das aktuelle Design des CBAM im Wesentlichen bis 2030 unverändert bleibt, aber der Druck zur Abschwächung der Politik wächst und eine sorgfältige Beobachtung erfordert.

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