SEC will die verpflichtenden Quartalsberichte von Unternehmen abschaffen
Der US-Aufsichtsbehörde für Kapitalmärkte SEC hat am Dienstag vorgeschlagen, die Pflicht zur vierteljährlichen Berichterstattung für börsennotierte Unternehmen abzuschaffen und stattdessen eine halbjährliche Berichterstattung zu ermöglichen. Der Vorschlag beschleunigt Trumps Deregulierungsagenda und könnte die Art und Weise, wie die Wall Street mit Informationen arbeitet, grundlegend verändern.
Unternehmen könnten selbst zwischen vierteljährlicher und halbjährlicher Berichterstattung wählen. Die vierteljährliche Berichterstattung war in den USA seit den 70er‑Jahren Standard – also über 50 Jahre.
Die Financial Times zitiert in ihrem Artikel die wichtigsten Argumente FÜR eine Änderung:
- weniger Bürokratie und geringere Compliance‑Kosten erleichtern den Börseneintritt
- Ende des „Short‑Termismus“ – Manager könnten sich auf langfristige Strategien konzentrieren statt auf die Jagd nach Quartalszahlen
- Hilfe für kleine und mittlere börsennotierte Unternehmen, die unter dem vierteljährlichen Druck häufig die Börse verlassen
Argumente GEGEN:
- weniger Transparenz = weniger effiziente Märkte und schlechtere Kapitalallokation
- Risiko der Inkonsistenz: Das Unternehmen kann ein Jahr quartalsweise berichten und im nächsten halbjährlich → Verwirrung der Investoren
Viele Länder (UK, EU, Japan) nutzen bereits halbjährliche Berichterstattung als Standard. Das Argument für halbjährliche Berichterstattung ist bei Unternehmen mit langen Investitionszyklen (Versorgungsunternehmen, Infrastruktur, Biotech) stärker. Im Gegensatz dazu ist bei schnelllebigen Sektoren (Tech, Einzelhandel, Banken) die quartalsweise Information für Investoren entscheidend.
Die FT behauptet, dass es sich um einen philosophischen Wandel im Blick auf die Beziehung zwischen Unternehmen und Kapitalmarkt handelt. Es geht darum, ob der öffentliche Markt der Transparenz dienen soll (mehr Reporting = bessere Entscheidungen) oder der Kapitalverfügbarkeit (weniger Bürokratie = mehr Unternehmen an der Börse).
Für Europa ist es interessant, diesen Wandel zu beobachten, weil die EU in die entgegengesetzte Richtung geht – CSRD, ESRS, EU‑Taxonomie erhöhen die Berichtspflichten, während die USA in den „Sparmodus“ wechseln. Diese Divergenz könnte sich darauf auswirken, wo globale Unternehmen ihre Börsennotierung bevorzugen.
Und ein interessanter Paradoxon: Während die SEC weniger Reporting vorschlägt, bleiben die privaten Märkte (Private Equity, Private Credit) nahezu ohne Transparenz.
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