GHG Protocol hat einen neuen Chef – und es erwarten ihn die größten Schlachten in der Geschichte der Emissionsbuchhaltung

| Jiří Staník
GHG Protocol má nového šéfa – a čekají ho největší bitvy v historii emisního úče

Tim Mohin, bisher Partner bei BCG für Klima und Nachhaltigkeit, wird am 1. Juni 2026 als allererster CEO des Greenhouse Gas Protocols – einer Organisation, deren Standards von 97 % der berichtenden Unternehmen aus dem S&P 500 verwendet werden – eintreten.

Wer ist Tim Mohin?

Karriere über Sektoren hinweg: Nachhaltigkeitsrolle bei Apple und Intel, öffentlicher Sektor (US EPA, Senat), zuletzt BCG. Er selbst beschreibt seine neue Rolle als „Verkehrspolizist“ – er löst ständig widersprüchliche Interessen verschiedener Stakeholder.

Worauf geht er ein?

1) Scope 2 – Krieg um die Methodik der Energierapportierung – Das GHG Protocol schlägt einen Übergang vom jährlichen Durchschnittsreporting zu einer stündlichen Zuordnung mit physischer Lieferbarkeit vor. Das würde bedeuten, dass Unternehmen nicht mehr einfach erneuerbare Energiezertifikate (RECs) von irgendwo auf der Welt kaufen und anrechnen können. Sie müssten nachweisen, dass grüne Energie ihren Betrieb tatsächlich Stunde für Stunde versorgt.

2) Scope 3 – 95 % Abdeckung – Das GHG Protocol fordert, mindestens 95 % der Scope‑3-Emissionen zu berichten. Heute berichtet weniger als ein Drittel der börsennotierten Unternehmen überhaupt über Scope 3. Mohin sagt, dass dies machbar und notwendig sei – und verweist auf seine Erfahrung bei AMD, wo sie feststellten, dass sie sich auf den falschen Teil des Problems konzentrierten, bis sie begannen, die gesamte Wertschöpfungskette zu messen.

3) SBTi vs. GHG Protocol – droht eine Spaltung?

Die WSJ berichtete letzte Woche, dass SBTi (über 10 000 Unternehmensmitglieder) aufgrund von Unstimmigkeiten bezüglich Scope 2 erwägt, sich vom GHG Protocol zu trennen. Mohin sagt, dass er eine Spaltung nicht will – sie würde zu einer Fragmentierung führen, die das genaue Gegenteil von dem ist, was nötig ist.

Warum ist das wichtig?

GHG Protocol ist de facto ein globaler Standard – die Grundlage für CDP, ISSB und CSRD. Wie Mohin sagte: Standards sind "weiches Gesetz" und die Zeit, in der Unternehmen ihren eigenen Weg wählen konnten, endet.

Gleichzeitig steht er jedoch unter beispiellosem Druck von allen Seiten: Unternehmen wollen Flexibilität, Akademiker und Umweltschützer Strenge, Regulierungsbehörden Konsistenz, und ExxonMobil fordert gleich ein alternatives System. Mohins Fähigkeit, einen Kompromiss zu finden, wird über die Zukunft des globalen Emissionsreportings entscheiden.

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