Emissionszertifikate gelten bereits für ein Viertel des Planeten (ICAP 2026)

| Jiří Staník

Die International Carbon Action Partnership (ICAP) hat den Jahresüberblick über den Stand der weltweiten Emissionshandelssysteme (ETS) veröffentlicht. Trotz geopolitischer Turbulenzen verlagern sich die Kohlenstoffmärkte vom Rand ins Zentrum der globalen Klimapolitik:

- 41 ETS-Systeme sind heute in Betrieb und decken 26 % der globalen Treibhausgasemissionen ab.

- 3 neue nationale Systeme starten im Jahr 2026 – Japan, Indien und Vietnam. Weitere 16 Systeme befinden sich in Vorbereitung oder werden erwogen.

- Rekordhafte Einnahmen aus dem ETS erreichten im Jahr 2025 fast 80 Mrd. USD – das Geld fließt in saubere Energie und die Unterstützung von Haushalten, die von der Transformation betroffen sind.

- ETS funktioniert in 14 von 20 G20-Ländern. Jurisdiktionen mit Emissionshandel machen zusammen 63 % des globalen BIP und mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung aus.

Etablierte Systeme beschleunigen das Tempo:

- China wechselt bis 2027 zu einer absoluten Emissionsobergrenze und erweitert die Abdeckung auf alle großen Industriebranchen.

- Die EU bereitet die Einführung von ETS 2 (Gebäude und Verkehr) für das Jahr 2028 vor, während CBAM in die Compliance‑Phase eingetreten ist und den CO₂‑Preis auch bei Handelspartnern vorantreibt.

- Kalifornien hat sein System bis 2045 verlängert, Korea stärkt Auktionen und die Stabilisierungsreserve.

- Brasilien, Chile, Kolumbien haben die Gesetzgebung genehmigt und bereiten die Umsetzung vor. Die Türkei schließt die Vorbereitungen für ein Pilot‑System ab.

Interessant ist auch die Verschiebung im Design neuer ETS – Länder kombinieren Cap‑and‑Trade mit Offset‑Mechanismen und Kohlenstoffsteuern zu hybriden Rahmen, die auf die lokalen Bedingungen zugeschnitten sind.

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