Deutschland startet die dritte Runde einer 5 Mrd. €‑Auktion zur Dekarbonisierung seiner Industrie – Inspiration für die Tschechische Republik?

| Jiří Staník
Německo spouští třetí kolo 5 mld € aukce na dekarbonizaci svého průmyslu - inspi

Das deutsche Ministerium für Wirtschaft und Energie hat am 5. Mai 2026 die dritte Runde des Programms Carbon Contracts for Difference (CCfD) angekündigt, in der bis zu 5 Milliarden € an energieintensive Industrieunternehmen zur Dekarbonisierung verteilt werden.

Das Programm läuft seit 2023, hat jedoch aufgrund von Feedback aus den vorherigen Runden eine bedeutende Neukalibrierung erfahren – ein Beispiel dafür, wie Regulierung aus der Realität lernen sollte.

Im Vergleich zu den vorherigen Runden werden die Emissionsanforderungen gelockert:

- Emissionsreduktion: 50 % innerhalb von 4 Jahren (zuvor 60 % innerhalb von 3 Jahren)

- Endziel: 85 % (zuvor 90 %)

Breiterer technologischer Rahmen:

- neu: CCS/CCU wird dort unterstützt, wo Prozessemissionen dominieren oder Emissionen, die sonst nur schwer zu eliminieren sind (Zement, Kalk, Stahl)

- neu förderfähige Projekte für Industriesdampf, die ausschließlich auf Wärmeproduktion ausgerichtet sind

- Das Programm bewegt sich in Richtung technologischer Neutralität – der Staat diktiert nicht die Technologie, die Auswahl erfolgt nach den Kosten pro vermiedene Tonne CO₂

Wie CCfD funktioniert:

- Unternehmen geben ein Gebot ab, basierend auf der gewünschten Subvention pro vermiedene Tonne CO₂, und der Staat zahlt die Differenz zwischen den Kosten der reinen und der konventionellen Produktion

- Zwei-Wege-Mechanismus: Wenn die reine Produktion günstiger wird als die konventionelle (z. B. durch steigende ETS-Preise), gibt das Unternehmen das Geld zurück

- Vertragslaufzeit: 15 Jahre

- Abdeckung: Chemie, Glas, Stahl, Zement, Papier, Glas, Nichteisenmetalle

Dies ist die dritte Runde aus dem Gesamtbudget von bis zu 50 Mrd. € für 15 Jahre, das die Kommission bereits 2023 genehmigt hat. Die vorherigen Runden fanden 2023 und 2024 statt.

Was lässt sich daraus mitnehmen?

1. Beispiel für adaptive Politik – das Ministerium hat auf Basis von Marktfeedback die Ziele gemildert und den Anwendungsbereich erweitert. Das ist bei industriellen Subventionen selten – normalerweise sehen wir einen starren bürokratischen Ansatz.

2. CCS erhält Platz, aber nur dort, wo es Sinn macht. Die Öffnung von CCfD für CCS ist ein wichtiges Signal: Deutschland (historisch sehr vorsichtig bei CCS) erkennt, dass bei Prozessemissionen (Zement, Kalk) einfach kein anderer Weg existiert. Das ist ein sachlicher Fortschritt, keine ideologische Bekenntnis.

3. Der Zwei‑Wege‑Mechanismus bleibt erhalten. Wenn der ETS‑Zertifikatenpreis schneller steigt als die Kosten reiner Technologien sinken (und dieses Szenario realistisch ist), wird der Staat die Subvention nach und nach zurückzahlen.

Für die Tschechische Republik könnte das eine interessante Inspiration sein. Die Tschechische Republik könnte einen ähnlichen Mechanismus über den Modernisierungsfonds für die eigenen Schwerindustrien (Třinecké Železárny, Lovochemie, Cement Mokrá, Glasindustrie) nutzen. Auktionsmodell = höchster Klimaeffekt pro Euro.

Wenn Ihre Branche dem ETS unterliegt und Sie Dekarbonisierungsinvestitionen in Erwägung ziehen, schauen Sie auf klimaschutzvertraege.info – dort finden Sie Details zur aktuellen Runde. Die Öffnung für CCS‑ und Dampfanlagen ist eine bedeutende Veränderung gegenüber der Vergangenheit.

ESG

Verwandte Artikel

Daten zu ESG helfen, die Unternehmensführung zu verbessern

Unternehmen, die ihre Nachhaltigkeitsdaten verfolgen und gegebenenfalls berichten, sehen einen bedeutenden Wert dieser Daten für die Formulierung ihrer Geschäftsstrategie und die Unternehmensführung. Das bestätigen die Ergebnisse der aktuellen globalen Umfrage …
Daten zu ESG helfen, die Unternehmensführung zu verbessern
Eliška Kozubíková
MEHR LESEN

Europarlament hat die Vereinfachung des ESG-Reportings beschlossen

Das Europäische Parlament hat am Donnerstag, dem 13. November 2025, seine Verhandlungsposition zu dem als „Omnibus I“ bezeichneten Reformpaket verabschiedet, das die Anforderungen an die Nachhaltigkeitsberichterstattung und die Einführung von Sorgfaltspflichten (Due Diligence) für Unternehmen vereinfacht. Der angenommene Entwurf bringt eine deutliche Erleichterung für Unternehmen.
Eliška Kozubíková
MEHR LESEN

EU hat neue Regeln für die Nachhaltigkeitsberichterstattung verabschiedet

Das Europäische Parlament hat die endgültigen vereinfachten Regeln für die Nachhaltigkeitsberichterstattung und die Sorgfaltspflicht verabschiedet. Neu fallen nur Unternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von über 450 Millionen EUR unter die Berichtspflicht. Die Sorgfaltspflicht muss nur von Unternehmen mit mehr als 5.000 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von über 1,5 Milliarden EUR eingeführt werden.Die Abgeordneten des Europäischen Parlaments haben am Dienstag, dem 16. Dezember 2025, die endgültige Anpassung der Anforderungen zur Umsetzung der Nachhaltigkeitsprinzipien im Geschäftsleben von Unternehmen in den EU-Ländern verabschiedet. Dieser Schritt knüpft an die Annahme des Omnibus‑I‑Pakets an, mit dem die Europäische Kommission im Februar …
Eliška Kozubíková
MEHR LESEN